Bildung sichern – kommunal gestalten

AKTIV! im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über Bildungspolitik vor Ort – „keiner bleibt zurück“

Großbottwar – 29.04.2009. Bildung ist ein aktuelles Thema - nicht nur für die Landespolitik, auch vor Ort in den Gemeinden. Während der Gemeinderat zeitgleich hinter verschlossenen Türen dieses Thema diskutiert, lädt die Wählervereinigung Aktiv! Bürgerinnen und Bürger von Großbottwar zu einem Bildungsforum ins Gasthaus Rose ein, um die Meinung der Bürgerschaft zu erfassen und kompetent zu informieren.

All zu oft wird mit Bildung nur die Schule in Verbindung gebracht. Sie ist sicher der wichtigste Bildungsträger, aber sie allein kann Defizite, besonderen Förderungsbedarf, bei Schwächeren ebenso wie bei Hochbegabten, nicht leisten. Die Gemeinden und Städte sind in vielen Regionen schon längst zu aktiven Partnern der Bildungsarbeit geworden, in der frühen Bildung, in der Arbeit mit älteren Menschen, in der Vernetzung von öffentlichen und privaten Bildungsanbietern und Vereinen.

Aber wo liegen die Probleme, die konkreten Bedürfnisse vor Ort? Ganz sicher gehören die Erziehungsarbeit im Kindergartenalter, Ganztagsschulangebote und ein Konzept für die Jugendlichen zu den heißen Eisen der Stadt. Wie schon zum Thema Stadthalle bieten die Aktiven im Vorfeld der Kommunalwahlen ein Bildungsforum an, wo Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen und Anfragen, Probleme und Anregungen einbringen können.

Zur Einstimmung berichten die beiden Moderatoren des Abends, Prof.  Gudrun Marci-Boehncke und Prof. Matthias Rath von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, über die heutige kommunale Verantwortung im Bildungsbereich. Gemeinden seien nicht mehr nur für Kreide und Schuldach zuständig, sondern müssten inzwischen ebenso die Fachaufsicht stellen oder Bildungs- und Finanzierungskonzepte entwickeln. So werde z.B. die Gemeinde heute aktiv in den Prozess der Qualitätssicherung an Schulen eingebunden.  

Für die vielfältigen Förder- und Betreuungsangebote können nicht mehr die Schulleitungen allein in die Pflicht genommen werden. „Nur wenn alle Kräfte an einen Runden Tisch zusammengebracht werden, kann man Innovationen umsetzen“, so Rath. Koordination, aber auch Kommunikation im Bildungsfeld gehören zu den zentralen Aufgaben der Kommune. „Bildungsengagement muss honoriert werden – nicht mit Geld, sondern mit öffentlicher Anerkennung. So funktioniert das zum Beispiel beim PISA-Gewinner Finnland“, betonte Marci-Boehncke.

Sehr engagiert verlief der Dialog im Bereich der frühen Bildung. Erzieherinnen und Verantwortliche aus den verschiedenen Betreuungseinrichtungen waren gekommen und einig in vielen Punkten der Erziehungsverantwortung. Mehr Elternarbeit sowie Sprachförderung und Erziehungsunterstützung wurden als gemeinsame Ziele formuliert. Auch das Miteinander von Alt und Jung soll verstärkt werden. „Es fördert bei den Kindern das Sozialverhalten und die älteren Mitbürger erleben so etwas wie Familie um sich. Da stört auch ein bißchen Spiellärm nicht“, so Barbara Layer aus der Leitung des Itzebitz.

Aktuell wird auch das Ganztagsschulangebot in Großbottwar diskutiert. Rath wies darauf hin, dass es wichtig ist, sich sehr genau mit den unterschiedlichen Bedürfnissen vor Ort auseinander zu setzen, bevor ein bestimmtes Konzept übernommen wird. Die Landesförderung darf nicht allein Maßstab der politischen Entscheidung und Planung sein. „Wir kriegen von den Schulleitungen immer nur Fakten präsentiert“, erklärten Vertreter des Elternbeirats. „Und jetzt müssen wir feststellen, dass die Informationen nicht vollständig waren“.

Weiteres Thema im Bildungsforum: die Jugendarbeit. Dringend müssten auch offene Freizeiteinrichtungen für Jugendliche geschaffen werden. Projektideen von der Gestaltung bis zur Pflege wurden im gemeinsamen Dialog am Mittwoch in der Rose schon konzipiert.

Die Aktiven halten die Bildungsverantwortung für die nachwachsende Generation für ein so zentrales Anliegen jeder Gemeinde, dass sie jede Hinterzimmerpolitik, wie sie der momentane Gemeinderat betreibt, ablehnt. Bildung muss zur „Gemeinsamen Sache“ aller Bürgerinnen und Bürger gemacht werden. Nur so kann das Ziel verwirklicht werden: „Keiner bleibt zurück“.

Bei Rückfragen:
Monika Haag
Telefon: 07148-924401
e-mail: monika.haag@ir-haag.de

Matthias Rath
Telefon: 0177-3164791
e-mail: rathphl@aol.com